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„Da wird keine abgeschossen“

Viel knapper, als es aussieht: Die Tennisspielerinnen des TSC Mainz 2 unterliegen zum Verbandsligaauftakt dem TC Althornbach mit 6:15.

Um Aylin Poppe schien man sich Sorgen machen zu müssen. Ihr Match gegen Elena Süs wirkte zu Beginn, als messe sich eine Pazifistin mit einer Killerin. Verhalten bis schüchtern gerieten die ersten Ballwechsel aus Sicht der 16 Jahre alten Spielerin der TSC Mainz 2, wohingegen ihre vier Jahre ältere und um einiges mächtigere Kontrahentin derart harte, humorlose Rückhände übers Netz schlug, als wolle sie das Ganze im Schnelldurchgang beenden.

Doch das war nur der erste Eindruck. Tatsächlich fing Poppe sich bald, Süs verlor an Härte und Präzision, und nach zwei Sätzen war die Sache mit 6:3, 6:3 gelaufen. Es war eines von drei Einzeln, das an die Gastgeberinnen ging, Doppel kamen allerdings nicht hinzu, weshalb die TSC-Zweite mit einer 6:15-Niederlage gegen den TC Althornbach in die Verbandsligasaison einstieg.

„Das reine Ergebnis sieht sehr deutlich aus“, sagte Magdalena Böhmer, „aber wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass es eigentlich viel knapper war. In der Tat: Wären die beiden im Matchtiebreak entschiedenen Duelle zugunsten der Mainzerinnen ausgegangen, hätte es sogar zum Gesamtsieg gereicht. Aber Anna Vest musste sich nach einem kurios verlaufenen Schlagabtausch mit Nina Seegmüller mit 0:6, 6:0 und 5:10 geschlagen geben, mit Anna Herding unterlag sie im Doppel noch knapper: 7:5, 2:6, 8:10.

Doppel noch nicht eingespielt

„Auch das dritte Doppel hätte anders enden können“, sagte Mannschaftskapitänin Böhmer, die selbst auf einen Einsatz verzichtet den jüngeren Spielerinnen den Vortritt gelassen hatte. Stefanie Beth/Lilly Schreier unterlagen Seegmüller/Süs mit 6:7, 4:6. „Es stand ein bisschen zu befürchten, dass wir in den Doppeln leer ausgehen würden“, sagte Böhmer. „Wir wissen noch nicht, welche Paarungen funktionieren, wir sind noch nicht eingespielt, und die Mädels sind total jung. Ihnen fehlen die Übung und die Erfahrung.“

Die Enttäuschung über die Auftaktniederlage halte sich daher in Grenzen. Nicht immer unmittelbar nach einem verlorenen Match – Anna Herding zum Beispiel war nach ihrer Zweisatzniederlage trotz guter Leistungen gegen die stark aufspielende Elena Bouquet sichtlich angefressen. „Aber als ich später mit den Mädels geredet habe, waren sie trotzdem alle happy, dass sie überhaupt spielen durften“, berichtete die Spielführerin, „vor allem Lilli Schreiber.“ Die Jüngste im Team gab trotz ihrer Zweisatzniederlage ein gutes Verbandsligadebüt.

Mindestens ein halbes Jahr lang habe keine der Akteurinnen mehr an einem Turnier teilgenommen. „Und auch wenn es im Training in den vergangenen Wochen gut aussah, weiß man ja, dass Training und Spiel etwas anderes sind. Aber die Spielstärke für die Verbandsliga haben sie alle, da wird keine abgeschossen, obwohl sie noch so jung sind.“

Gut, um in den Rhythmus zu kommen

Neben Aylin Poppe gingen Stefanie Beth und Charlotte Jacob als Siegerinnen vom Platz; die beiden ältesten Mainzerinnen an diesem Tag ließen nichts anbrennen. „Anfangs habe ich mich etwas schwergetan, aber nach drei, vier Spielen lief es“, erzählte Jacob, die Nummer eins des Teams. Dass die Medenrunde in diesem Jahr eine in sich geschlossene Veranstaltung und ohne Auswirkungen auf- und Abstieg bleibt, kitzele vielleicht nicht die allerletzte Motivation heraus. „Es ist nicht dasselbe Gefühl wie in früheren Jahren, aber dass die Runde gespielt wird, ist gut, um wieder in den Rhythmus zu kommen.“

Mit ihrem Saisoneinstieg zeigte Jacob sich nach der langen Pause, die sie mit Joggen, auf dem Ergometerrad und an ihrer persönlichen Ballwand („das Haus meines Opas“) überbrückt hatte, zufrieden. „Seit Tennisspielen wieder erlaubt ist, hatte ich wegen der Schule nur Zeit für ein Training pro Woche. Dafür war es ein guter Auftakt.“

Ob sie an allen der noch fünf ausstehenden Spieltage dabei sein werde – die Runde wird während der Sommerferien unterbrochen und endet erst Mitte September, wisse sie noch nicht, sagte Jacob. Am nächsten Sonntag aber wird die Mannschaft kaum auf ihre stärkste Spielerin verzichten können. Denn parallel zur Begegnung beim BASF TC Ludwigshafen 3 steigt die TSC-Dritte beim TC Eimsheim in die Rheinhessenligasaison ein. „Das heißt, wir brauchen insgesamt zehn Spielerinnen“, sagt Magdalena Böhmer; die Kapitänin wird dann auch wieder zum Schläger greifen.

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