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Nachwuchstalent Sinja Kraus: "Irgendwann will ich ganz oben stehen"

Sinja Kraus weiß, was sie will. "Natürlich möchte ich eines Tages die Nummer eins werden. Das ist der Traum für jeden Tennisspieler. Irgendwann ganz oben stehen und sagen zu können: 'Ich bin die Beste.'" Im Moment ist sie die Nummer 31 in Deutschland. Die Nummer 813 der Welt. Der Weg an die Spitze ist noch weit und anstrengend. Das spürt die 18-Jährige jeden Tag.

Aus Österreich über die USA nach Nieder-Olm

Wenn nicht gerade ein Turnier ansteht, heißt es fünf bis sieben Mal pro Woche Konditionstraining. Athletik-Trainer Sebastian Schweikert bringt Sinja ins Schwitzen. Es ist viel Quälerei nötig, um in Topform zu kommen. "Es gibt schon Tage, an denen es enorm schwerfällt, aber es muss sein", weiß Kraus. Tennis-Training steht natürlich jeden Tag auf dem Plan.

Vergangenes Jahr hat Sinja mit gerade einmal 17 Jahren Abitur gemacht. Seitdem setzt sie alles auf eine Karte. Das Ziel: Tennisprofi werden. "Das ist meine große Leidenschaft. Ich bin quasi auf dem Tennisplatz groß geworden", erzählt sie. Mit ihren zwei Schwestern hat sie jahrelang in den USA gelebt und dort schon mit drei Jahren Tennis gespielt. Mittlerweile wohnt die Österreicherin in Nieder-Olm und spielt für den TSC Mainz.

Ziel Top 500

"Ich bin davon überzeugt, wenn sie gesund bleibt, wenn sie gut arbeitet, dann wird sie in der Lage sein, ganz weit zu kommen", sagt ihr Trainer Babak Momeni. "Wenn ich nicht daran glauben würde, könnte ich nicht so intensiv mit ihr trainieren." Das Ziel in diesem Jahr: Zu den besten 500 Tennisspielerinnen der Welt zu gehören. "Das hätten wir auch unter normalen Umständen geschafft, da bin ich sicher", sagt der Trainer. 

Aber was ist in diesem Jahr schon normal? "Am Anfang des Jahres ging es gut los. Dann kam Corona und alles wurde abgesagt", erinnert sich Sinja. "Es war sehr schwierig. Ich wollte eigentlich durchstarten und dann kriegt man so einen Strich durch die Rechnung gemacht."

2.500 Kilometer durch halb Europa

Im September sind die beiden dann trotz Corona unterwegs gewesen. Ein Turnier in Slowenien, Training in Wien und Spiele in Budapest. "In zehn Tagen 2.500 Kilometer", berichtet Momeni. Die Arbeit am "Traum Tennisprofi" ist hart und teuer. Die Preisgelder sind überschaubar. Sinjas Eltern unterstützen sie, wo sie können.

Einen Zeitpunkt, zu dem sie es bis zum Profi geschafft haben will, hat sie sich nicht gesetzt. "Das wäre auch kontraproduktiv", findet Momeni. "Sie muss es komplett wollen und durchziehen, dann schafft sie es. Da hilft es nichts, von ein zwei oder fünf Jahren zu sprechen." Babak Momeni trainiert Sinja schon seit elf Jahren, damals war sie sieben Jahre alt.

Schweigend von Budapest nach Mainz

Sinja Kraus und ihr Trainer vertrauen und respektieren sich, aber manchmal knallt es auch. "Auf dem Rückweg von Budapest bis nach Mainz haben wir kein Wort miteinander geredet", erzählt Momeni. Der Trainer hatte sich über Sinja geärgert, weil sie ihre Emotionen während des Spiels nicht im Griff hatte und so unnötig ausgeschieden war.

"Ich bin sehr emotional, das ist meine größte Leidenschaft. Wenn es dann nicht läuft, ist es schwierig, auf dem Platz ruhig zu bleiben", sagt Sinja und zeigt damit, dass sie weiß, woran sie noch arbeiten muss. "Sie hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Aber sie muss lernen, dass es auch dazu gehört, dass mal etwas nicht klappt und dass es dann sofort weitergehen muss", so Momeni. "Daran zu arbeiten, ist unser Thema Nummer eins." Sinjas letzter Social-Media-Post dürfte ihren Trainer daher freuen, dort schreibt die Nachwuchshoffnung: "Sometimes you win. Sometimes you learn."

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